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Schöpfsystem eingeführt

Schöpfsystem eingeführt
Im Einsatz bei der Essensausgabe: die Serviceassistentinnen Gudrun Hoppenkamps und Djemila Muratovic und die gerontopsychiatrische Fachkraft Sandra Gieres (von links). FOTO: privat
Niederrhein. Die Serviceassistentin Djemila Muratovic steht hinter dem Wärmewagen und schöpft das Essen auf die vorgewärmten Teller: „Einmal Kartoffelpüree und Geschnetzeltes, keine Soße bitte, eine kleine Portion“, gibt ihr die Kollegin Gudrun Hoppenkamps an. Von Lutz Schütz

Diese Szene spielt nicht in einer Kantine, wo die Auswahl des Essens selbstverständlich ist, sondern im Krankenhaus. Das Netzwerk Altersmedizin hat als erste Abteilung im Krankenhaus Neuwerk in Mönchengladbach das Schöpfsystem eingeführt: Auf den Teller kommt nur, worauf Patienten Appetit haben. Seit einigen Wochen wird das Mittagsgericht nach individueller Auswahl und Menge ausgeteilt. Mit großem Erfolg.

Die Idee dazu hatte Schwester Sandra Gieres. „Im Rahmen meiner Weiterbildung zur gerontopsychiatrischen Fachkraft musste ich ein Projekt erstellen und erproben. Ich habe mich für die Umstellung der Essensausgabe entschieden, weil ich aus meiner früheren Tätigkeit als Altenpflegerin die enorme Bedeutung des Essens für ältere Menschen kennengelernt habe.“

Außerdem habe sie beobachtet, dass die Mengen auf den dreigeteilten vorportionierten Tellern oft viel zu üppig seien und deshalb das Essen häufig nicht angerührt werde. „80 bis 90 Prozent der Patienten des Netzwerks Altersmedizin sind noch aus der Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Sie essen dann eher gar nichts, als das etwas auf dem Teller bleibt.“ Nach der Umstellung sind 85 Prozent der Teller leer und die Rückmeldungen der Patienten entlohnen für die Mehrarbeit.

„Es schmeckt wie Zuhause.“ „Das Essen ist jetzt richtig heiß.“ Das Wichtigste sei jedoch der therapeutische Erfolg. „Viele unserer Patienten kommen oft untergewichtig in unsere Obhut und bleiben drei bis vier Wochen, manche auch viel länger. Essen gibt ihnen wichtige Nährstoffe, die der Körper braucht, um sich zu regenerieren und Muskeln wieder aufbauen zu können. Für alte Menschen ist Essen überlebenswichtig“, so Gieres.

Für die individuelle Bedienung auf der Station sind ein Wärmewagen und Metallbehälter für die Speisenportionierung angeschafft worden. Außerdem ein Thermometer, um nach der Lieferung aus der hauseigenen Küche auf der Station nochmals eine Temperaturkontrolle vorzunehmen. Zwei Gerichte stehen jeden Mittag zur Auswahl. In jedem Zimmer werden die Patienten von zwei Pflegerinnen nach ihren Wünsche gefragt, die Serviceassistentin gibt das Essen direkt auf die Teller. Nur, wer die nach den Hygieneregeln entsprechende Schutzkleidung trägt, darf das Essen auf die Teller portionieren. Und da das Auge schließlich mitisst, wird jeder Essplatz mit grünen Tischsets und Besteck von den Hauswirtschaftsdamen eingedeckt.

(Report Anzeigenblatt)