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Klimaschutz-Modellprojekt in Viersen

Klimaschutz-Modellprojekt in Viersen
Die Energieexperten aus dem Kreis Viersen (v.l.n.r.): Klimaschutzmanager für den Kreis Viersen Felix Schütte, Energiemanager des Kreises Viersen Niklas Vath, Klimaschutzmanager der Stadt Willich Marcel Gellißen, Klimaschutzmanager der Stadt Viersen Björn Nemak, Energiemanager des Niersverbandes Johannes Bürger, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der GWG Viersen Heinz Fels, Klimaschutzmanagerin der Stadt Kempen Lisa Hans und Klimaschutzmanagerin der Stadt Nettetal Yvonne Friedrich. FOTO: Kreis Viersen
Kreis Viersen. Die kommunalen Energieexperten des Kreises Viersen haben jetzt die Klimaschutzsiedlung in Viersen besucht. Von Alexander Ruth

Es war das mittlerweile vierte Treffen, seitdem Felix Schütte, Klimaschutzmanager für den Kreis Viersen, das Netzwerk Energie Ende 2016 ins Leben gerufen hat. Die Akteure der Städte und Gemeinden sowie des Kreises haben sich insbesondere die Solarthermie-Anlage und den Wassertank mit Fassungsvermögen von 20.000 Litern angesehen.

Mitten in Viersen entsteht mit dem Modellprojekt ein „bewohnbares Kraftwerk“, ganz ohne rauchende Schornsteine. Der Warmwassertank, humorvoll als „U-Boot“ bezeichnet, ist ein Stahltank mit elf Metern Höhe und 1,6 Metern Durchmesser, der vom Erdgeschoss bis unter das Dach reicht. Er versorgt 48 Wohneinheiten. In den Sommermonaten und wenn die Sonne scheint speisen die Solarthermie-Anlagen auf den Dächern den Tank mit Wärme. Selbst diffuses Sonnenlicht bei Bewölkung genügt. Für den Winter ist in der Siedlung zusätzlich eine Wärmepumpe installiert. Mehrere 120 Meter tiefe Bohrungen unter der Siedlung sind mit rund einem Kilometer Rohrleitungen gefüllt. Über diese Rohre entzieht die Wärmepumpe dem Boden und dem Grundwasser Energie, die zum Heizen der Wohnungen und für Warmwasser genutzt wird. Ist das „U-Boot“ mit Warmwasser gefüllt, kann es ohne nachzuladen alle Wohnungen einen Tag lang mit Wärme versorgen.

Wärmepumpen benötigen Strom und funktionieren im Prinzip wie ein Kühlschrank – nur umgekehrt. Sie geben Wärme nach innen ab und kühlen die Umgebung. Der Strom zum Betrieb der Wärmepumpe in der Klimaschutzsiedlung kommt zumindest bilanziell von Photovoltaikanlagen, die zusätzlich zu den Solarthermie-Anlagen auf den Dächern der Siedlung verbaut sind. Die PV-Anlagen sind so dimensioniert, dass sie neben der Wärmepumpe auch die Wohnungen mit Strom versorgen können.

„Dank der Energie der Sonne und der Wärme aus dem Boden, gepaart mit moderner Technik und guter Dämmung, wird die Klimaschutzsiedlung Viersen bilanziell mehr Energie produzieren, als in den Wohnungen verbraucht wird“, erklärt Heinz Fels, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Wohnungsgenossenschaft Viersen und Bauherr der Klimaschutzsiedlung.

Schütte ergänzt: „In Deutschland wird sehr viel CO2 für das Heizen von Wohnraum emittiert. Die Klimaschutzsiedlung Viersen zeigt, dass die Wärmewende nicht nur möglich ist, sondern auch sehr gut zu den Ansprüchen an ein modernes Wohnen passt und dabei ökonomisch sinnvoll ist.“

Kempens Klimaschutzmanagerin Lisa Hans ist beeindruckt: „Die verbaute Technik ist genial. Die Fußbodenheizung ist nahezu unsichtbar und der Wohnkomfort ist hoch. Gleichzeitig wird die Wärme ohne fossile Brennstoffe wie Öl oder Gas, also klimaneutral, produziert.“

Der Kreis Viersen hatte die Besichtigung der Klimaschutzsiedlung im Rahmen des Netzwerktreffens Energie organisiert. Das Netzwerk bringt die Energieexperten der Städte und Gemeinden enger zusammen. Nicht nur Klimaschutzmanager, sondern auch Beschäftigte im Gebäudemanagement und angrenzenden Disziplinen sollen so eine Plattform nutzen können, um sich zum Thema Energie und Klimaschutz übergreifend auszutauschen und zusammenzuarbeiten.

(Report Anzeigenblatt)