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Im Notfall in die Ladestation

Im Notfall in die Ladestation
Aus dem ehemaligen Trafohäuschen am Anrahter Bahnhof ist nun die Notschlafstelle „Ladestation“ geworden. 17 Quadratmeter für den Start in eine neue Zukunft für junge Volljährige. Streetworkerin Marion Tank (kl. Foto recht oben) freut sich. FOTO: Grammatikou
Willich. Immer mehr junge Volljährige Menschen aus Willich befinden sich aus unterschiedlichen Gründen in einer Wohnungsnot-Situation. Für diese wurde gestern die Notfallschlafstelle „Ladestation“ in Anrath offiziell eröffnet. Morgen zieht bereits der erste junge Volljährige ein. Von Lutz Schütz

Es sind nur 17 Quadratmeter, aber 17 Quadratmeter für den möglichen Start in ein neues Leben. Das ehemalige Trafohäuschen am Anrather Bahnhof wurde in den letzten eineinhalb Jahren in ein kleines, sehr wohnliches Haus umgestaltet - mit kleinem Wohn-Schlaf-Raum, einer Kochnische und einem Bad mit Dusche. „Ich denke, wir haben das Beste aus diesen 17 Quadratmetern gemacht, was möglich war“, sagt Streetworkerin Marion Tank, die das Projekt angestoßen, begleitet und fertig gestellt hat. Doch ohne Hilfe wäre das nicht möglich gewesen. „Wir haben Sponsoren gehabt und viele ansässige Firmen, die sofort ihre Hilfe angeboten haben“, erzählt sie. In knapp 18 Monaten ist so nun ein Heim entstanden, dass jungen Volljährigen, die durch Drogenkonsum, Spielschulden oder desolatem Elternhaus auf die „schiefe Bahn geraten sind“, nun eine Chance auf ein neues Leben bieten kann. Im Bereich Streetwork treffen die Mitarbeiterinnen des Geschäftsbereichs Jugend und Soziales der Stadt Willich zunehmend auf junge Volljährige, die sich in unterschiedlichster Ausprägung in einem Wohnungsnotfall befinden. Mit der Wohnung „Ladestation“ ist nun eine Notschlafstelle entstanden. „Die Motivation muss jedoch von den jungen Menschen kommen. Ich helfe und unterstütze, wo ich kann“, sagt Marion Tank. Wer wirklich was in seinem Leben ändern will, findet hier eine erste Starthilfe und Bleibe. Doch die ist nicht für ewig. „Niemand kann hier ewig bleiben“, erklärt die Streetworkerin. Zunächst habe sie einen Zeitraum von sechs Wochen angepeilt - doch der ist nicht in Stein gemeißelt. „Die Erfahrung wird zeigen, wie lange die jungen Menschen brauchen und wie aufwendig es ist, ihnen zu helfen - vielleicht geht es schneller oder es dauert länger“, sagt Tank.

Zunächst aber freut sie sich über die Fertigstellung des kleinen, ja fast schon idyllischen Heimes, das gestern eingeweiht worden ist. Morgen wird die „Ladestation“ bereits bezogen.

(Report Anzeigenblatt)