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Ein Vollblut-Komödiant

Ein Vollblut-Komödiant
Die Hände von zwei jugendlichen Schönheiten auf den Oberschenkeln: Das weckt bei Charleys Tante Gefühle, die der verkleidete Gärtner kaum in den Griff bekommt. FOTO: max
Stadt Willich. Seit der Uraufführung 1892 in London zählt „Charleys Tante“ zu den größten Theatererfolgen aller Zeiten. Schon die erste Inszenierung erreichte über 1 500 Vorstellungen. Ein Jahr später kam das Stück an den New Yorker Broadway und 126 Jahre später kann man sich die Komödie jetzt bei den Schlossfestspielen Neersen anschauen. Von Lutz Schütz

Etwas geliftet und gehörig aufgebrezelt, erstrahlt die aberwitzige und millionenfach erzählte Geschichte bei ihrer Premiere bei den Schlossfestspielen Neersen am vergangenen Samstagabend in neuem Glanz.

Die Junggesellen Charley (David Imper) und Jack (Thomas Kahle) warten auf die damals übliche Anstandsdame für ein „betreutes Date“ mit ihren Angebeteten Amy (Vanessa Frankenbach) und Kitty (Maria Arnold). Doch – oh Schreck! – die für diese Mission auserkorene Donna Lucia d’Alvarez, Charleys Tante aus Brasilien, verspätet sich… Was tun? In letzter Sekunde können die beiden Upperclass-Studenten den Gärtner Brassett (Kalle Pohl) überreden, in das Kostüm einer Lady zu schlüpfen (die Verkleidung war eigentlich für einen Auftritt als Julia im Oxford-Drama-Club gedacht) und sich als Charleys Tante auszugeben. Und damit beginnt ein Reigen von Verwicklungen und Verwechslungen, der die Komödie so berühmt gemacht hat.

Regisseur Jan Bodinus hat schon im Vorfeld der Premiere seinen Hauptdarsteller in den höchsten Tönen gelobt. Und Kalle Pohl straft ihn nicht Lügen. Im lila Kleid mit weißen Pünktchen, mit roter Stola, orangefarbener Blüte im Haar und schwarzen Netzstrümpfen trägt der Vollblut-Komödiant die gesamte Aufführung. Mimik, Gestik, Stimme – alles passt. Mal laut, mal leise. Da können sich seine jungen Kollegen, die durchweg Vollgas geben, ruhig eine Scheibe von abschneiden. Sein hervorragendes Spiel macht sogar die kleines Schwächen (aus heutiger Sicht) der Handlung vergessen. Nur ein paar Altherren-Witzchen, die hätte Regisseur Bodinus ruhig streichen können.

Im Duett mit Kalle Pohl läuft auch Kay Szacknys (Sir Francis Chesney) zu Höchstform auf. Maria Arnold, Vanessa Frankenbach und Reinhild Köhncke (Donna Lucia) tragen mit viel Charme und Spielfreude ebenfalls zum Gelingen des Premierenabends bei.

Mit stehenden Ovationen (Bürgermeister Josef Heyes hat sich als Erster erhoben) bedankte sich das Publikum für die tolle Unterhaltung.

(StadtSpiegel)